Der Homo oeconomicus ist ein Individuum, das Informationen sammelt, bewertet und gemäß seinen Präferenzen entscheidet. Er geht dabei rational vor, hat sämtliche Informationen zur Verfügung und kann diese auch vollständig verarbeiten.
Dieses Individuum ist eher ein theoretisches Modell, als ein realer Mensch, wird aber bei vielen wirtschaftswissenschaftlichen Theorien und Modellen zu Grunde gelegt.
Im Gegensatz dazu widmet sich die Behavioral Finance gerade den Geschehnissen am Markt, die rational nicht erklärbar sind. Wie kommen Kursstürze und Börsencrashs zustande, warum konnten sich zu Zeiten des Neuen Markts Kurse so weit vom fundamentalen Wert weg bewegen? Warum fallen Kurse von Unternehmen in Sympathie mit Kursstürzen ähnlicher Unternehmen? Warum kaufen Anleger bei fallenden Kursen nach, um den Preis zu verbilligen und erhöhen damit ihr Risiko?
Würde der Großteil der Anleger dem Homo oeconomicus entsprechen, gäbe es diese Phänomene kaum. Vermutlich wäre es an den internationalen Börsen auch relativ langweilig. Da wir aber als Anleger unseren Emotionen und anderen psychologischen Effekten unterliegen, fällen wir mitunter falsche oder suboptimale Entscheidungen. Die Konsequenz daraus sind schlechtere Renditen.
Solange Gewinnmaximierung oder Risikominimierung Ziele des Anlegers sind, bleibt es interessant, diese Effekte zu erforschen und zu versuchen, deren Auswirkungen zu reduzieren, um ein besseres Anlageergebnis zu erzielen.
Da es für manche Effekte denkbar einfache Handlungsempfehlungen gibt, rentiert es sich für jeden Anleger, diese Erkenntnisse zu nutzen und in den Alltag einzubinden.
