Disziplin ist kein Resultat von Erfahrung

Das Handelsblatt schreibt heute über Joachim Goldberg und seine Vorliebe für Bordeaux-Wein. Was uns daran interessieren soll ist folgender Umstand: J. Goldberg ist ein renommierter Experte für Behavioral Finance, der unter anderem auch das deutsche Standardwerk zum Thema geschrieben hat. Über seine Erfahrung in diesem Bereich muss man also nicht mutmaßen.

Er scheint aber trotz allen Wissens und seiner Erfahrung auch zeitweise seine Disziplin zu vergessen, obwohl man meinen möchte, er müsste mit derartigen Problemen nicht mehr kämpfen. Laut Handelsblatt ersteigert Goldberg gerne mal einen guten Tropfen und schießt im Eifer des Gefechts gerne über sein vorher gesetztes Preisziel hinaus.

Dies könnte sich aus dem Umstand heraus ergeben, dass Disziplin ebenso bewusst und professionell eingehalten werden muss, wie konkrete Vorgaben z.B. beim Aktienhandel. Jeder kann auf Erfahrungen zurückgreifen, auf Arbeitstage an denen man besonders effizient arbeitete und sich an seine eigenen geplanten Vorgaben gehalten hat und andere, an denen nicht nur der Plan fehlte, sondern auch die Umsetzung äußerst ineffizient war.

Oft liegt es schon allein an der Herangehensweise. Wenn man sich professionell vorbereitet und sein Selbstmanagement im Auge hat, dann klappt es auch, den Plan relativ gut umzusetzen. Das ist bei der täglichen Arbeit nicht anders, als beim Trading. Auch dort benötigt man einen Plan (Tradingplan), welcher dann konsequent umgesetzt werden muss.

Egal wie professionell man sein kann, man muss eine Tätigkeit auch mit jener Professionalität verfolgen. Oft macht sich dies dann im privaten Bereich bemerkbar, der eben nicht professionell organisiert wird und so kann es schon mal vorkommen, dass ein Plan zwar vorhanden ist (Maximalgebot bei einer Auktion) aber die Haltung in diesem Moment eher entspannt und eben privat und da vergisst auch ein Experte schon mal, seinen Plan auch konsequent in die Tat umzusetzen.

Disziplin könnte man also weniger als Eigenschaft betrachten, sondern als eine Art professionelle Herangehensweise an eine Tätigkeit, die je nach individueller Einstellung mal vorhanden sein kann oder auch nicht. Es läge dann an uns, unsere Einstellung im Vorfeld entsprechend anzupassen, um die nötige Disziplin zu erreichen.

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Und nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt: dieser Post geht natürlich nicht gegen Herrn Goldberg, sondern soll lediglich die Menschlichkeit von Experten auf der einen Seite zeigen und dass es für sie auch kein Zuckerschlecken ist auf der anderen.

2 Antworten zu „Disziplin ist kein Resultat von Erfahrung“

  1. Sebastian sagt:

    Mit der Disziplin ist das immer so eine Sache. In Momenten des „disziplinarischen Ungehorsams“ erinnere mich dann gerne daran, dass der Markt selten einer Disziplin folgt. Man muss es dann eben nur erkennen und seinen Nutzen daraus zu ziehen ;-)

  2. M. Haimerl sagt:

    … wobei es hier nicht erstrangig um die Disziplin des Marktes geht. Der Markt folgt wirklich selten einer Disziplin ;) , wenn man es so nennen mag.
    Hier geht es mehr um die D. eines individuellen Traders. Diese kann nur der Trader selbst beeinflussen und es gibt durchaus Methoden dies zu verbessern (Selbstmanagement, NLP). Man muss sie nur anwenden (wollen) – manchmal steht aber der „innere Schweinehund“ im Wege. Regeln aufzustellen ist eben nicht schwer, sie einzuhalten aber schon. Das geht nicht von alleine, sondern nur mit der erwähnten Prise Professionalität und einem Willen sie wirklich einzuhalten. Trotzdem wird es immer ein auf und ab bleiebn, manchmal klappt es besser, manchmal schlechter.

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